Letzte Ruhe unter Bäumen - SPD-Fraktion Bamberg möchte einen Bestattungswald für Bamberg

Veröffentlicht am 21.02.2022 in Ratsfraktion

Noch ruht die MUNA im Dornröschenschlaf - die SPD Bamberg beantragt dort einen Friedwald.©Foto: cdk

Für Menschen, die nicht auf einem Friedhof in der Stadt oder Landkreis Bamberg bestattet werden wollen, könnte es in Bamberg schon bald eine Alternative geben. Zumindest wenn es nach dem Willen der SPD Stadtratsfraktion geht. Die SPD Stadtratsfraktion hatte in den Haushaltsberatungen die finanzielle Voraussetzung dafür geschaffen, dass es auch bald einen Bestattungswald in Bamberg geben wird.

"Viele Menschen suchen eine Alternative zur klassischen Beerdigung auf einem Friedhof mit akkuraten Gräberreihen, gepflegten Blumenarrangements, Kapelle, dauerhafter und zeitintensiver Betreuung durch die Angehörigen und hoher Folgekosten. Sie wünschen sich lieber in der Natur beerdigt zu werden, zum Beispiel in einem Bestattungswald. Diesem Wunsch wollen wir mit unserem Antrag nachkommen", erklärt der Fraktionsvorsitzende Heinz Kuntke die Initiative der SPD-Stadtratsfraktion.

Im Zuge der Diskussionen über eine zukünftige, ressourcenschonende und umweltverträgliche Nutzung der früheren MUNA sind bei der SPD viele Vorschläge aus der Bürgerschaft eingegangen. Die Nutzung der schützenswerten Fläche als Fried- oder Bestattungswald gehörte, nach Angaben der SPD, zu den beliebtesten und häufigsten Nutzungsvorschlägen. "In der Region wäre diese alternative Bestattungsform bislang einmalig. Die Nachfrage ist groß und nimmt stetig zu. Immer mehr Menschen wünschen für sich oder ihre Angehörigen eine naturnahe Bestattung unter Bäumen", schilderte SPD-Stadtrat Klaus Stieringer.

Mit der Errichtung eines Bestattungswaldes kann für die SPD-Stadtratsfraktion nicht nur der Waldbestand auf dem MUNA Gelände dauerhaft gesichert, sondern auch der Zugang der teilweise abgesperrten Fläche wieder ermöglicht werden. Der genaue Ort des Bestattungswaldes soll mit der Bürgerinitiative Hauptsmoorwald, dem Bürgerverein und der Stadt festgelegt werden. "Der Wald soll Wald bleiben, künftig aber nicht mehr forstwirtschaftlich, sondern als Begräbnisstätte genutzt werden", so Klaus Stieringer.

Der Bamberger Bestattungswald, soll nach Ansicht der SPD-Stadtratsfraktion, nicht nur der Bamberger Stadt- oder Landkreisbevölkerung offenstehen. "Wenn z.B. jemand aus Berlin dort begraben werden will, kann er das", führte Heinz Kuntke aus. Auch könnten nach Einschätzung der SPD-Stadtratsfraktion unterschiedliche Varianten des Ablaufs der Waldbestattung in Betracht gezogen werden. "Für uns ist jeder religiöse oder andere persönliche Zugang möglich, der die Beisetzung der Urne unmittelbar an einem Baum gestattet", betonte Klaus Stieringer.

In einem Antrag an die Stadt Bamberg beantragt die SPD Stadtratsfraktion nun schnellstmöglich Auskunft von der Verwaltung wie und wo die Nutzung einer Waldfläche für eine "naturnahe Bestattung" möglich ist. "Wir wollen sicherstellen, dass auf dem Bamberger Bestattungswald nur Bio-Urnen beigesetzt werden dürfen, also Urnen aus biologisch abbaubaren Materialien, um die wertvollen Naturflächen nicht zu belasten", wollte Heinz Kuntke gesichert wissen. Auf einer Tafel kann lediglich der Name des Verstorbenen angebracht werden. "Bepflanzungen oder Grabschmuck wie auf einem klassischen Friedhof sind nicht erlaubt, um die Natur der MUNA nicht zu belasten und um die natürliche Atmosphäre des Waldes zu erhalten", ergänzte Kuntke. 

Als einen der größten Vorteile eines Bestattungswaldes gegenüber einem herkömmlichen Friedhof bezeichnet die SPD-Stadtratsfraktion den Umstand, dass die herkömmliche Grabpflege entfällt, welche die hinterbliebenen Angehörigen oftmals finanziell und organisatorisch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringt. "In einem Fried- oder Bestattungswald ist die Grabpflege weder nötig noch erwünscht", sah Klaus Stieringer den Vorteil für die Hinterbliebenen.

Der zunehmende Wunsch der Bevölkerung nach Naturbestattungen habe für die Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion mehrere Gründe: diese lägen im Wandel unserer Zeit, an veränderten Lebensumständen und Gewohnheiten in unserer Gesellschaft. "Beruf und Privatleben führen dazu, dass viele Familienangehörige nicht mehr am Geburtsort leben. Eine liebevolle Grabpflege ist durch die Entfernung der verschiedenen Wohnorte der Familienmitglieder oftmals nicht mehr möglich. Die Urnenbeisetzung im naturbelassenen Wald, die keinen Grabstein, Blumenschmuck und keiner individuellen Grabpflege bedarf, bietet deshalb eine würdevolle Alternative zum herkömmlichen Friedhof. Die Pflege der Grabstätte übernimmt hier die Natur mit ihren Jahreszeiten", schilderte Klaus Stieringer.

Auch verlange der gesellschaftliche Wandel in der Bestattungskultur nach zunehmender Flexibilität. "Die jeweiligen Bedürfnisse der Hinterbliebenen und jener zu respektieren, die sich zu Lebzeiten ihre letzte Ruhestätte bewusst auswählen - das ist der Ansatz, den die Waldbestattung auch bei der Beisetzung selbst bietet", so Heinz Kuntke.

Der Bamberger Bestattungswald kann nach Ansicht der SPD-Stadtratsfraktion ein sorgsam gewählter Ort des Abschieds und des Gedenkens werden, auf dem bereits zu Lebzeiten Ruhestätten für Familien oder einzelne Menschen unter Bäumen für eine würdige Waldbestattung ausgewählt werden können. "Das friedliche naturbelassene Umfeld eines Waldes ermöglicht eine persönliche und liebevolle Urnenbeisetzung, als würdevolle Alternative zum herkömmlichen Friedhof", so Klaus Stieringer.

 

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